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Scott & Luke Duo (German)

Prolog

Scott

Als ich das Angestelltenzimmer betrat, hatte ich sofort das Gefühl, dass ich bei etwas störte. Sawyer und Adam kicherten und Sawyer versteckte sein Handy vor mir, als ob ich Superhelden-Sicht hätte und quer durch den Raum etwas erkennen könnte, aber was soll’s.

„Was macht ihr beide da?“, fragte ich, weil ich mich nicht zurückhalten konnte. Adam war mein bester Freund in der Arbeit und ja, ich mochte Sawyer, aber er blieb die meiste Zeit für sich. Er war auch ein echter Hippie, ein Rettet-den-Planeten Typ. Wenn er einmal auf seiner Seifenkiste stand, bekam man ihn nicht mehr herunter. Da ich das nicht war, konnte es zwischen uns manchmal ein wenig angespannt werden.

„Wir stellen nur Nachforschungen an … für Nathan“, erklärte Adam mit einem schelmischen Grinsen, das über sein wunderschönes Gesicht huschte. Er wedelte mit der Hand durch die Luft und das Licht von der Decke brachte den Ring an seinem Finger zum Funkeln.

Ich erwiderte das Grinsen und bemühte mich sehr, den hässlichen Stich Eifersucht zu ignorieren, der mich traf. Ich freute mich wirklich für ihn über seine kürzliche Verlobung und dass er seinen perfekten Daddy gefunden hatte. Nicht, dass wir mit irgendjemandem darüber redeten. Ich war der einzige Kellner, der wusste, was Adam mit dem Chefkoch und Mitinhaber des Restaurants, in dem ich arbeitete, machte. Nun, ich wusste einen Teil. Adam erzählte mir nicht alles. Aber ich konnte raten, vor allem wegen der Spuren, die Adam nicht immer verstecken konnte. Hatte ich erwähnt, dass Carl ein Dom Daddy war?

Ich brauchte einen Moment, um mich auf die Gegenwart zu konzentrieren und zu erkennen, dass Adam über den mysteriösen Nathan redete. Er war der beste Freund von Carl und Eigentümer eines BDSM-Clubs namens The Playroom. Nathan kam seit ungefähr einem Monat mindestens einmal pro Woche zum Mittagessen und hatte eine gewisse Aufregung unter den schwulen Singles ausgelöst, die im Restaurant arbeiteten.

An diesem Mann-Berg, ja, das war er, war etwas so Anziehendes. Groß, blond, mit Muskeln, die mit denen von The Rock mithalten konnten. Er ragte über allen auf und weckte in mir den Wunsch, dass ich Bergsteigen als Hobby angefangen hätte.

Die Sache war die, er hatte nie irgendwelches Interesse an mir gezeigt, nicht einmal einen Hauch. Was in Ordnung war, irgendwie. Ich hatte ein wenig nachgeforscht und die Dinge, auf die Nathan stand, waren so überhaupt nicht mein Fall. Nein, ich suchte nach einem Daddy, der darauf stand, dass sein Boy ein wenig Spitze und Seide trug. Nicht, dass ich bis jetzt großes Glück gehabt hätte, aber ich lebte in der Hoffnung, dass der perfekte Daddy dort draußen auf mich wartete.

Seufzend passte ich wieder auf, als Adam mir in die Rippen stieß.

„Woran denkst du gerade? Du hast einen wirklich verträumten Gesichtsausdruck“, fragte Adam. Seine Aufmerksamkeit war jetzt ganz auf mich fixiert. Ich konnte nicht aufhören, mich zu winden, als er angesichts der Röte grinste, die jetzt mein Gesicht füllte.

Ich verfluchte meine blasse Haut. Sie war der Fluch meines Lebens. Ganz egal, was ich machte, um meine milchflaschenweiße Haut loszuwerden, nichts funktionierte. Bräunungscreme ließ mich wie eine Mandarine aussehen und, wenn ich das so sagen durfte, es war so überhaupt nicht meine Farbe. Die Sonne verbrannte mich nur, danach schälte ich mich wie ein unheimlicher Komparse in einem Horrorfilm und dann stand ich wieder am Anfang.

Mit meinen tiefschwarzen Haaren und blassgrauen Augen sah ich wie ein Goth aus. Ich hatte nichts gegen Goths, ich wollte nur ein wenig mehr wie Adam aussehen. Braungebrannt und gesund, nicht wie der aufgewärmte Tod.

Der Stups in meine Rippen wandelte sich von sachte zu brutal. „Hey, warum versuchst du, eine meiner Rippen zu brechen?“, fragte ich, während ich zurückwich und über die jetzt empfindliche Stelle rieb, die Adam immer noch zu treffen versuchte.

„Weil du ganz abwesend und seltsam bist. Was ist heute mit dir los?“, fragte Adam. Sein Gesicht verzog sich vor Sorge.

Grummelnd warf ich einen Blick auf Sawyer, der wieder auf sein Handy schaute. Seine Augen funkelten vor Aufregung oder Furcht, es war schwer zu sagen, was genau.

„Mit mir ist alles in Ordnung. Ich bin nicht derjenige, der Geheimnisse hat.“ Ich nickte in Sawyers Richtung. „Und sein Handy versteckt, wenn jemand den Raum betritt.“

Ich wartete einen Moment, doch als keiner der beiden etwas sagte, ging ich zu Sawyer. „Was schaust du dir an?“ Da, ich hatte direkt gefragt.

Sein Gesichtsausdruck wurde verschlossen und das Handy verschwand mit solcher Geschwindigkeit in seiner Hosentasche, dass ich es nicht mitbekommen hätte, wenn ich geblinzelt hätte. Jetzt war ich wirklich neugierig und wollte unbedingt wissen, was der ganze Zirkus sollte.

Ich tat so, als wäre ich desinteressiert und setzte mich auf einen der Lederstühle. Seb, unser Chef, war großzügig und hatte wirklich bequeme Sitzgelegenheiten für uns gekauft, die wir in unseren Pausen nutzen konnten. Sitzend wartete ich darauf, was die beiden machen würden.

Adam zwinkerte Sawyer zu und verschwand dann durch die Tür, wobei er mir zuwinkte. Ich warf einen Blick zu Sawyer, der dastand, als ob er nicht wüsste, was er tun sollte.

„Verdammt, Mann, setz dich und iss dein Mittagessen. Ich werde dir nicht auf die Nerven gehen.“ Noch als ich das sagte, wusste ich, dass ich es nicht so meinte. Meine Neugierde war geweckt und ich wollte wirklich wissen, was auf Sawyers Handy war.

Nach fünf Minuten der Stille knickte ich ein. „Bitte.“ Ich klimperte mit meinen Wimpern und zeigte mein bestes schüchternes Lächeln. Das, von dem meine Mutter behauptete, dass es den Teufel dazu bringen würde, zu tun, was ich wollte. „Erzähl mir, was du dir angesehen hast. Ich verspreche, ich werde nichts sagen.“

Ich konnte seine Unsicherheit sehen, aber auch, dass er kurz davorstand. Ich gab ihm noch einen kleinen Schubs und meinte: „Ich verspreche, dass ich zu den anderen nichts sagen werde. Du kennst mich, ich kann ein Geheimnis für mich behalten.“

Ich möchte nur sagen, dass dies vielleicht mein größter Fehler war, aber dazu kommen wir noch.

„Naaa gut. Aber ich schwöre, wenn du zu irgendjemandem irgendetwas sagst, werde ich dir in den Hintern treten“, warnte Sawyer. Sein Gesicht war finster verzogen.

Ich wusste, dass diese Drohung ernst gemeint war. Da Sawyer mehrere schwarze Gürtel in Mixed Martial Arts hatte, legte man sich besser nicht mit ihm an. Er stand wirklich auf diesen Scheiß und für jemanden, der immer so friedlich und voller Licht war, war das ein großer Widerspruch.

Er holte sein Handy wieder heraus, wischte über den Bildschirm und benutzte seinen Daumenabdruck, um es zu entsperren. Nett. Ich war für einen Moment abgelenkt und überlegte, ob ich das bei meinem auch einrichten konnte, als mir das Handy unter die Nase geschoben wurde.

Ich war sicher, dass ich blinzelte, aber sicher sagen konnte ich es nicht. Meine Gedanken waren bereits weit voraus, als ich die App sah, die Sawyer geöffnet hatte. Sie transportierte mich in eine Welt, mit der ich nur zu vertraut war: Kink.

Mein Puls, der bis jetzt normal gewesen war, entschied sich, dass es Zeit für eine Beschleunigung war. Meine Hände zitterten, als ich nach dem Handy griff.

„Ist das eine Kink-App?“ Mir war klar, dass ich ein wenig dämlich wirkte, aber hey. Ich versuchte zu begreifen, dass es eine Kink-App gab, von der ich nichts wusste.

„Ist es, aber sie ist ziemlich neu. Du musst schwören, dass du nichts sagen wirst.“ Sawyer packte beim Sprechen meinen Arm. Sein Gesicht war blass und seine Brauen so heftig zusammengezogen, dass sie wie eine wirkten.

Mit einem Nicken zeigte ich ihm ein, wie ich hoffte, aufrichtiges Lächeln. „Natürlich. Ich würde niemals jemandes Geheimnisse verraten, versprochen. Pfadfinderehrenwort.“

Dieses kindische Versprechen schien die Anspannung in Sawyers Körper zu lösen und er wurde ein wenig lockerer.

„Von welchen Kinks hast du schon gehört?“

Die Frage erschien mir eine seltsame Art, anzufangen, aber ich machte mit. „Nun, okay. Ähm, BDSM, natürlich, das in allen Geschmacksvarianten auftritt, von Vanille bis Hardcore. Komplette Unterwerfung bis hin, ein Sklave zu sein.“ Ich rieb über mein Kinn. „Dann gibt es Daddy Kink, mein liebster Kink, möchte ich hinzufügen.“ Ich bot ihm diese kleine Information an, in der Hoffnung Sawyer zu zeigen, dass ich nicht verurteilen würde, worauf immer er stand. „Puppy Play und jede andere Form von Animal Play, die dir einfällt. Es gibt Leute, die sich gern wie Kinder benehmen, eine Form des Daddy Kinks, aber auf einem anderen Level. Ich glaube, das nennt man Age Play. Ich habe von Leuten gehört, die als Littles bezeichnet werden, aber da bin ich mir nicht zu einhundert Prozent sicher. Ich habe diese Seite noch nicht selbst erkundet, aber ich habe gehört, dass manche Paare das mögen. Ähm … ich bin mir sicher, dass es eine Menge mehr gibt, aber so spontan fallen mir keine mehr ein.“

Ich war mir nicht sicher, welches der Dinge, die ich erwähnt hatte, Sawyer dazu brachte, sich an mich zu lehnen und auf sein Handy zu schauen. Ich hatte das Gefühl, dass ich vielleicht etwas Falsches gesagt hatte, darum drückte ich kurz sein Bein. „Habe ich etwas gesagt, das dich stört? Das war nicht meine Absicht.“

„Nein, es ist … nun …“ Sawyer stand auf und ließ mich mit seinem Telefon sitzen, während er durch den Raum stapfte und dabei an seinen bunten Haaren zog. Seine dunklen Augen glänzten.

Ehe ich etwas sagen konnte, kam er zurück. „Ich bin das, was man als Little bezeichnen würde. Ich mag es, mich wie ein Kind zu benehmen und dass mein Partner mich auch so behandelt.“ Dieses atemlose Geständnis und seine unsichere Stimme brachten mich dazu, aufzustehen.

Ich zog ihn an mich und umarmte ihn. Der Geruch von Lavendel und Bergamotte stieg auf, der vertraute Geruch von Sawyers selbst gemachter Seife.

„Danke, dass du mir das gesagt hast. Ich schwöre bei meinem Leben, dass ich zu niemandem ein Wort darüber verlieren werde. Was du in deinem Privatleben machst, hat nichts mit irgendjemandem zu tun.“ Und ich meinte es ernst. Was die Menschen privat machten, ging nur sie etwas an. Ich verurteilte niemanden. Wie konnte ich das, wenn ich meinen eigenen kleinen Kink mochte?Sawyer lehnte sich zurück. Sein Blick war suchend und er musste etwas gesehen haben, das es seinem Lächeln gestattete, zurückzukehren. „Ich hatte ein wenig Angst, es dir zu sagen, nun, es irgendjemandem zu sagen. Ich habe es Adam nur erzählt, weil Nathan ihm gegenüber erwähnt hat, dass ich Die App erprobe.“ In seiner Stimme schwang eine Aufregung, die vor wenigen Sekunden noch nicht da gewesen war. „Sie ist ziemlich cool. Mit Nathans Mitgliederliste von seinem Club und seiner Warteliste, gibt es mehr Männer da drauf, als ich für möglich gehalten hätte. Es gibt auch jede Menge Auswahlmöglichkeiten. Himmel, mir war nicht klar, dass so viele Männer auf das stehen, was ich mag.“ Er zuckte mit den Schultern. Eine leichte Röte überzog sein Gesicht, wodurch er niedlich aussah.

Ich reichte ihm das Handy zurück, das ich immer noch in der Hand hatte. „Zeig es mir. Vielleicht könnte ich dort auch ein Date finden. Ich möchte einen Daddy, der es mag, wenn sein Boy etwas Spitze und Seide trägt.“ Ich schlug eine Hand auf meinen Mund und stöhnte, als Sawyers Augen vor Erheiterung funkelten.

„Schon gut. Ich habe auch zu viel mitgeteilt. Hier, ich zeige dir, wie man in der App sucht. Dann können wir sehen, ob es für dich ein Match gibt.“

Mein Herz tanzte unter meinen Rippen bei dem Gedanken, jemanden zu finden. Wir setzten uns wieder, ich schaute auf meine Uhr und sah, dass ich noch zwanzig Minuten Pause hatte, und machte es mir gemütlich. „Wann erwartet Seb dich zurück von deiner Pause?“

Sawyer warf einen Blick auf sein Telefon und schaute dann wieder zu mir. „Ich habe noch ungefähr zehn Minuten.“ Seine Lippen wurden für eine Sekunde schmal. „Ich könnte die App auf dein Handy laden und dir dann schnell zeigen, wie man sie navigiert. So kannst du dir alles ansehen, wenn du mehr Zeit hast. Zwanzig Minuten werden nicht annähernd reichen.“ Ich wollte vor Glück durch den Raum tanzen, begnügte mich aber damit, Sawyer ein breites Grinsen zu schenken, bevor ich meine Tasche holte und nach meinem Handy suchte. Seb hasste es, wenn die Kellner ihre Telefone bei sich trugen, während sie im Restaurant arbeiteten, nicht, dass ich ihm das zum Vorwurf machte. Wer möchte in einem vornehmen Restaurant einen Kellner sehen, der mit seinem Handy spielt? Niemand.

Das La Trattoria Di Amore war eine kleine Restaurantkette, die zu den zehn Besten in London gehörte. Sebastian Smythe und Carl Bentley hatten sich den Ruf erworben, ein außergewöhnliches Speiseerlebnis zu bieten, an das kaum jemand heranreichen konnte. Die Michelin-Sterne, die das Restaurant bekommen hatte, zeigten, wie hart die beiden Männer arbeiteten, um es zu einem beliebten Ort zum Essen zu machen.

Meine Hoffnung, dass ich meinen Traummann bei der Arbeit treffen würde, hatte sich nie verwirklicht. Nein, ich landete bei Arschlöchern, die mich furchtbar behandelten, wie Luke Mason. Er war die größte Nervensäge in meinem Leben. Er schien mich auf der Stelle nicht gemocht zu haben. Wenn ich ehrlich war, als ich ihn zum ersten Mal gesehen hatte, hatte er für mich absolut wie ein Daddy ausgesehen. Nicht, dass ich eine Gelegenheit bekommen hatte, es herauszufinden. Erstens hatte er einen festen Freund und zweitens war er ein richtiger Idiot.

Vielleicht würde mein Glück sich wandeln. Ich reichte Sawyer mein Telefon, setzte mich wieder und hörte zu, wie er mir erklärte, wie die App funktionierte. Die Tatsache, dass sie schlicht ‚Die App‘ hieß, kam mir ein wenig seltsam vor, aber dann erklärte Sawyer, dass sie so genannt wurde, um zu verhindern, dass jemand sie aus Versehen fand. Nathan hatte Die App für seine Kunden entwickelt und seine Pläne, einen Teil seines Clubs zu renovieren.

Sawyer bekam einen verträumten Gesichtsausdruck, als er erklärte, dass Nathan einen Club eröffnen wollte, der vor allem auf Kinks wie seinen ausgerichtet war. Weil ich von Gedanken daran, wie ich mich dafür anmelden konnte, abgelenkt war, stupste Sawyer mich zweimal an, um meine Aufmerksamkeit wieder auf das Handy zu richten. Er fing an mir zu zeigen, in welchen Teil des Bildschirms ich eingeben musste, welche Art Kink ich mochte, dann wurde man direkt dorthin geleitet, wo man sein musste.

„Das ist so cool. Schau dir all diese Profile an. Scheiße, es müssen über fünfhundert sein.“ Ich starrte die endlose Liste an, als Sawyer scrollte und willkürlich ein paar Profile aufrief. Es waren Fotos ohne Gesicht, nur Körperteile, aber hey, ich beschwerte mich nicht.

„Siehst du, wenn du in das Profil gehst, sind ihre Vorlieben aufgelistet und du kannst diesen Knopf hier drücken und dann prüft die App, ob es zu deinem passt. Nun, das wird sie, sobald du dich selbst hinzugefügt hast. Es kostet einhundert Pfund, Mitglied zu werden-“

„Wow, das ist ziemlich teuer“, sagte ich und unterbrach so seinen Redefluss.

„Ja, ist es, aber du wirst feststellen, dass es das wert ist.“ Dann redete er weiter und spielte an meinem Handy herum, um mir die App genauer zu erklären. Zehn Minuten später ging er zur Tür und zwinkerte mir zu, als er über seine Schulter schaute. „Viel Glück. Lass uns hoffen, dass du deinen Traummann findest.“