Prolog
Nathan
Die Ketten, die meine Arme über meinem Kopf hielten, klapperten wild an der eisigen Steinwand hinter mir. Mein Kiefer schmerzte, als ich mit den Zähnen knirschte. Ich wollte, dass der Mann, der das schmutzige, blutverschmierte Messer hielt, einfach aufhörte. Die Stunden der Folter fingen an, ihren Tribut von mir zu fordern und ich war mir nicht sicher, wie viel mehr ich noch ertragen konnte.
Das Messer schnitt tief in meinen Oberschenkel, neben meinem Gemächt, kreuzte die Linien, die es bereits geschaffen hatte und ich schrie in meinem Kopf. Ich weigerte mich stur, diesen Ärschen die Befriedigung zu geben, mich schreien zu hören. Mein Kiefer schob sich vor und spannte sich vor Anstrengung an, als ich mich zwang, mich zusammenzureißen. Schweiß perlte auf meiner Stirn, obwohl der Raum eiskalt war.
Ich war nicht auf den plötzlichen Schlag in meinen Bauch gefasst und mein Körper klappte erst zusammen, dann nach hinten und rammte gegen den Felsen hinter mir. Die Ketten, die mich hielten, klirrten und übertönten die Obszönitäten, die mir entgegengeschleudert wurden. Mein leerer Magen drehte sich um und ich würgte trocken. Ich spuckte das nach Kupfer schmeckende Blut aus, das meinen Mund füllte.
Mein Blick war von Tränen verschwommen, die ohne, dass ich es wollte, an meinem Gesicht nach unten flossen und mir die Sicht versperrten. Nicht, dass es eine Rolle spielte. Ich hatte schon lange aufgegeben, mir den Schaden anzusehen, den sie meinem Körper zugefügt hatten. Nach den ersten zwei Stunden, die ich in dieser feuchten Höhle gefangen gehalten worden war, war es mir sinnlos erschienen.
Ich musste auch nicht den Hass auf ihren Gesichtern sehen. Ich mochte nicht alles verstehen, was sie sagten, aber den Großteil bekam ich mit. Der Hass war in den Ausdruck auf ihren schmutzigen Gesichtern gestempelt, während sie sich an meinem Schmerz ergötzten. Ich zog Kraft aus meinem jahrelangen Training, sowohl in der Armee als auch als Dom, um ihnen nicht die Befriedigung zu geben, mich zu brechen.
Mit jedem keuchenden Atemzug, den ich nahm, fühlte ich mich, als ob ich es irgendwie geschafft hätte, einen Sack Sand zu schlucken, und er füllte jede meiner Lungen bis zum Rand. Die Mühe, die das Atmen machte, arbeitete gegen mich und meine zerrissene Uniform rieb an meinem verletzten und blutigen Körper.
Ein Mantel aus Taubheit legte sich über mich, als die beiden hässlichen Bastarde, die Informationen von mir bekommen sollten, lachten und dann durch den dunklen, riesigen Raum gingen, um ein weiteres Folterinstrument zu holen, das sie auf dem Tisch liegen hatten.
Mein Brustkorb pumpte, als ich die kostbaren Sekunden der Pause nutzte, um an meinem Verstand festzuhalten. Ich versuchte, meine Schultern zu rollen, um einen Teil des Drucks von meinen Armen zu nehmen.
Zu blinzeln, um besser sehen zu können, war ein gewaltiger Fehler, als ich einen der Männer zurückkehren sah, mit etwas, das einem Eisportionierer ähnelte, nur mit scharfen Kanten. Mein Blut verwandelte sich in Eis, als der Blick des Mannes mit einem bösen Grinsen auf meinen Genitalien landete. Die Luft, die ich mich bemüht hatte einzuatmen, weigerte sich, meinen Brustkorb zu füllen, weil mein Herz Mühe hatte, weiter zu schlagen.
Metall berührte meinen Hodensack, eine Sekunde bevor mein Hoden in den eisigen Stahl geschaufelt wurde. Mein Mund öffnete sich, als Entsetzen meinen Körper gefangen hielt genau wie diese Männer. Die scharfe Kante schnitt in meinen Hoden und unglaublicher Schmerz machte es mir unmöglich, mich zu beherrschen, meine Schreie erfüllten die Luft.
Ich schlug auf die weiche Baumwolle unter mir und das weckte mich. Ich ruckte in eine sitzende Position, der Schrei steckte in meiner Kehle fest. Meine Augen öffneten sich und Schweiß glitt an meinem Brustkorb nach unten, als ich in dem schwach erhellten Raum nach meinen Angreifern suchte.
Ich tastete mit zitternden Fingern nach der Nachttischlampe, die Überreste des Albtraums klammerten sich an mich. Das sanfte Licht glühte warm an den Terrakotta-Wänden, linderte einen Teil der Furcht, die sich in meine Kehle krallte. Mein Brustkorb pumpte und meine zitternden Hände gruben sich in die weiche Baumwolle der Decke. Die ganze Zeit über gab mein Herz sich große Mühe, den Film Gesprengte Ketten nachzustellen, während es versuchte, sich einen Weg aus meinen Rippen zu graben.
Ich atmete tief ein und konzentrierte mich auf die vertrauten Gerüche, als meine verschwommenen Gedanken die Reste des Albtraums abschüttelten.
„Du bist in Sicherheit. Es ist in Ordnung, du bist in Sicherheit“, wiederholte ich, hoffte, es würde sich realer anfühlen, wenn ich es laut aussprach.
Ein Schauder durchlief meinen Körper, als ich endlich die kühle Luft bemerkte, die meine feuchte Haut berührte. Meine Hände wollten nicht kooperieren, als ich Mühe hatte, die feuchte Decke von meinem Körper zu ziehen, um mich an die Seite des Bettes zu setzen. Als ich das Glas mit Wasser auf dem Nachttisch bemerkte, griff ich danach, als wäre ich einen Monat in der Wüste gefangen gewesen. Ich hob es an und schluckte das lauwarme Wasser. Es glitt wie göttlicher Nektar meine trockene Kehle hinunter und beruhigte das kratzige Gefühl.
Wenn es wie immer gewesen war, dann hatte ich durchgehend geschrien. Die Albträume neigten dazu, das mit mir zu machen, nicht, dass es mir in dem Moment bewusst war. Aber der einzige Sub, der über Nacht geblieben war, hatte mir das sehr genau erklärt, nachdem ich ihn zu Tode erschreckt hatte.
Fang nicht damit an, komm schon.
Ich rieb mit meiner freien Hand über mein feuchtes Gesicht, während ich darüber nachdachte, was den Albtraum ausgelöst haben könnte.
War das alles wegen Lenny und der Nacht davor?
Der Gedanke verursachte einen Knoten in meinem Magen und mein Brustkorb hob und senkte sich schnell.
Da ich mir nicht sicher war, ob ich es ins Bad schaffen würde, so schwach wie meine Beine sich anfühlten, stellte ich das halb leere Glas ab und rutschte auf meinen Hintern zurück. Ich lehnte mich an das gepolsterte, samtige Kopfteil, hoffte, dass wenn ich mir noch eine Minute gab, ich mich so weit beruhigen würde, dass ich duschen gehen konnte. Das Bedürfnis, mich nach dem Albtraum zu reinigen war ein vertrautes Schema, das ich in den letzten zehn Jahren etabliert hatte. Ich fühlte mich schmutzig und konnte immer noch ihre Hände auf meiner Haut spüren. Und obwohl ich wusste, dass keine Menge Wasser das ändern konnte, brauchte ich dennoch eine Dusche.
Komm schon, du hast Schlimmeres als das ausgehalten!
Ich holte tief Luft, schloss meine Augen und ignorierte die schweißgetränkten Laken unter meinem Hintern, während ich ein paar Visualisierungsübungen machte, die ein Therapeut mir beigebracht hatte.
Die Kindheitserinnerung, die, die ich benutzt hatte, als mein Therapeut darauf bestanden hatte, dass ich es mit Visualisierungen versuche, um gegen die Albträume anzukommen, formte sich vor meinem geistigen Auge. Hohe Berge und üppig grüne Täler vor Fort William erschienen hinter meinen geschlossenen Augenlidern. Die frischen Gerüche des Sommers und das Gefühl der sanften Brise, die meine nackten Arme und Beine berührte, löste die Spannung in meinem Brustkorb. Nach mehreren tiefen Atemzügen konnte ich die Bitterkeit nicht mehr schmecken, die mein Albtraum hervorgerufen hatte.
Meine Schulterblätter sanken wieder dorthin, wo sie hingehörten, während ich atmete und zählte, bis ich mich dazu in der Lage fühlte, meine Augen zu öffnen. Ich ignorierte die bis in die Knochen reichende Erschöpfung, die nach diesen Albträumen ein ständiger Begleiter zu sein schien und saß mehrere lange Minuten da, bevor ich mich dazu fähig fühlte, aufzustehen und in das angrenzende Bad zu gehen.
Ich schaute auf die Uhr, als ich mich in Richtung Badezimmer bewegte und war nicht überrascht zu sehen, dass es halb sieben war. Die vier Stunden Schlaf brachten mich dazu, vor mich hinzugrummeln, während ich die Dusche anschaltete.
Nachdem Lenny gestern Nacht gegangen war, war ich wieder nach unten in den Club zurückgekehrt und es war zwei Uhr gewesen, bis ich wieder nach oben in mein Apartment gekommen war.
Ich wollte gerade unter die Dusche treten, als ich ein Klopfen an meiner Schlafzimmertür hörte. Erst da erinnerte ich mich daran, dass Ferron nicht weit von mir den Flur hinunter schlief und mich wahrscheinlich gehört hatte. Fuck!
Ich drehte mich um und nahm den Bademantel, den ich an der Badtür aufgehängt hatte und zog ihn an. Ich marschierte zu meiner Schlafzimmertür und atmete tief ein, während ich einen neutralen Gesichtsausdruck aufsetzte, in der Hoffnung, dass dies die Fragen stoppen würde, sobald ich die Tür öffnete.
Aufgerissene Augen und der verängstigte Ausdruck auf Ferrons Gesicht ließen mich seufzen, als meine Hoffnungen zunichtegemacht wurden.
„Ich vermute, du hast mich gehört?“
Sein Blick blieb auf mich gerichtet, während er nickte. „Ja, Sir. Es tut mir leid, dass ich nicht früher gekommen bin … Ich … wollte … aber du-“
Ich legte eine Hand auf seine zitternde Schulter, um ihn zu stoppen. „Schon gut, Ferron. Es war ein Albtraum. Die habe ich manchmal. Es tut mir leid, dass ich dich gestört oder aufgeregt habe. Ich weiß, dass es für dich schwer gewesen sein muss, mich schreien zu hören.“ Jeder Gedanke daran, dass es nicht zu schlimm gewesen war, starb, als Ferron nickte. Tränen stiegen in seinen Augen auf.
„Du hast … wie ich geklungen, wenn er nicht aufgehört hat, mich zu schlagen“, schluchzte Ferron.
Das Bedürfnis zu trösten, übertrumpfte alles andere, als ich sanft meine Arme um seine dünnen Schultern legte und seinen Rücken streichelte, während er sein Gesicht an meinem Brustkorb vergrub. Ich zögerte, als seine Arme sich an mich klammerten. Unser Mangel an angemessener Kleidung wurde offensichtlich, als sein Gesicht über meinen bloßen Brustkorb rieb. Ein plötzliches Bild von Lenny flutete meinen Kopf, schnell gefolgt von Schuld. Ich versuchte es zu rationalisieren, dass ich nur einem Sub Trost spendete, nichts mehr, aber das Gefühl, dass Lenny das vielleicht nicht so sehen würde, wollte nicht nachlassen.
Darum zog ich mich nach einer Minute zurück und schlug vor: „Denkst du, dass es vielleicht hilfreich wäre, mit jemand anderem als mir über das zu reden, was passiert ist?“
Seine Augen schwammen in Tränen und etwas, das wie absolutes Elend aussah, während er zögerlich nickte. „Ich muss noch etwas mehr verdienen, bevor ich es mir leisten kann-“
Ich verfluchte meine eigene Dummheit und unterbrach ihn: „Mach dir darüber keine Sorgen. Ich werde mich vorläufig um die Kosten kümmern und du kannst mir jede Woche ein wenig aus deinem Gehalt zurückzahlen.“
Die Erleichterung war greifbar, als er nickte, und ein kleines Lächeln umspielte seine Mundwinkel.
Ein Moment der Peinlichkeit folgte, bis ich vorschlug, dass er uns Frühstück machen sollte. Wieder im Bad drehte ich das Wasser in der Dusche auf und dachte darüber nach, wie ich Ferron seine eigene Wohnung besorgen konnte. Es störte mich nicht, dass er hier war, aber ich war mir nicht sicher, ob Lenny glücklich wäre, dass er bei mir wohnte, jetzt da wir offiziell ein Paar waren.
Mein Herz schlug etwas schneller und ich kaute auf meiner Unterlippe, während ich über meine Optionen nachdachte.
Isaac kam mir in den Sinn, zusammen mit seinem riesigen Haus im Außenbereich von London. Würde er Ferron bei sich einziehen lassen?